Jenny Hanivers (J.Hanovers, J.Hanifers)
Die erste schriftliche Erwähnung der Jenny Hanivers findet sich im vierten Band des naturwissenschaftlichen Werkes Historia Animalium des Schweizers Konrad Gesner, einem angesehenen Sprachforscher, Arzt und Naturwissenschaftler des 16. Jahrhunderts.
Interessanterweise sah Gesner im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen die Hanivers nicht als eine Fabelgestalt, sondern er wies selbst in seinem Werk darauf hin, dass es sich bei den Exemplaren um präparierte Tiere handelte.
Nichtsdestotrotz galten den meisten Leuten in der damaligen Zeit, welche noch sehr abergläubisch waren, obgleich in Europa zum großen Teil Christen, die Hanivers als Beweis für die Existenz von kleinen Wassermonstern, Teufelchen, Feen, Kobolden und anderen Fabelwesen, besonders die Seeleute zeigten immer wieder Exemplare vor, um ihre Reisegeschichten zu untermauern.
Unter anderem wollten sie die Existenz des so genannten Seebischofs untermauern, der übrigens nicht mit dem Seemönch verwechselt werden darf.
Der Ursprung der Jenny Hanivers kann in Antwerpen vermutet werden, wo die antwerpischen Seeleute schon in vergangenen Jahrhunderten und zum Teil auch heute noch (allerdings heute gewöhnlich aus Holz) Hanivers an Kollegen und Reisende verkauften, natürlich mit passender Geschichte. Auf die Herkunft weist in gewisser Weise schon der Name hin, es wird wegen der aus sprachlicher Sicht großen Ähnlichkeit vermutet, dass es sich bei ,,Jenny Hanivers“ um eine englische Veränderung von ,,Jeune de Anvers“ handelt. Übersetzt bedeutet dies etwa ,,Mädchen aus Antwerpen“.
Möglicherweise stammen die ersten Exemplare oder Geschichten von ihnen von einer Frau oder einem Mädchen aus Antwerpen, was den Namen erklären würde, denn es ist nicht gesagt, dass die männlichen Seefahrer unbedingt die Urheber sind.
Nun aber, nach der ganzen Vorgeschichte, endlich die Beschreibung einer typischen Jenny Hanivers:
Hergestellt werden die ,,echten Hanivers“, welche auch in heutiger Zeit noch nicht ganz verschwunden sind, in der Regel aus den Echten Rochen, den Rajidae und den Geigenrochen, den Rhinobatidae. Die vermeintlichen Augen sind in Wirklichkeit die Nasenlöcher der Rochen, der normale Mund der Tiere wurde ähnlich dem eines Menschen zurechtgeschnitten.
Warum gerade diese Rochen genommen wurden, zeigt dieses schöne Foto eines Vertreters der Echten Rochen aus dem Dateiarchiv Wikimedia Commons:
Die angeblichen Beine sind entweder die präparierten Geschlechtsorgane oder, je nach ,,Ausführung“, geteilte und präparierte Schwänze der Tiere. Als individuelle Merkmale findet man häufig noch unterschiedliche, mehr oder weniger verzierende Zuschnitte der Brust und der Flügel, dieses variiert jedoch unter den Exemplaren. Nebenbei bemerkt wurde durch eine entsprechende Anordnung der Flügel das angebliche Gewand des Seebischofs dargestellt, auf den aber an anderer Stelle eingegangen wird, dessen Kopfbedeckung ist eine Veränderung des Kopfes.
Eine zweite Version wurde und wird aus Holz geschnitzt und mit Farbe lackiert, vermutlich um etwas dauerhafteres anbieten zu können, vielleicht auch weil die Arbeit zum Teil recht eklig war/ist.
Dieser klassische Fake ist zwar nicht selten, er tritt in unterschiedlichen Namensvariationen auf (siehe Titel) sowie unabhängig in Verbindung mit völlig anderen Namen, doch im Vergleich zu anderen ist er wenig bekannt, weshalb oft Neuanfänger in der Kryptozoologie auf ihn hereinfallen (zum Vergleich: Suchanfrage Jenny Hanivers bei Google = ca.657 Ergebnisse, für Nessie mehr als 2 Millionen).
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Hallo Gal Fàn,
der Artikel gefällt mir gut. Habe im Urlaub, im September diesen Jahres, auf Zypern in einem Souvenierladen mehrere dieser “Jenny Hanivers” gesehen. Sie sahen interessant aus. Die Preise lagen umgerechnet so bei 20 bis 50 Euro.
Würde mich freuen, wenn Du Dich mal per Mail bei mir melden könntest.
Hans-Jörg