Die Fälschung des sagenhaften Orang Pendek
Ein in der breiten Öffentlichkeit eher wenig bekannter Kryptid ist der Orang Pendek aus Sumatra.
In der Regel wird er als ein Wesen von ca. 1,20 Meter Körpergröße mit brauner Haut sowie kurzer, bräunlicher bis schwärzlicher Körperbehaarung beschrieben. Gesicht sowie Innenflächen von Händen und Füßen (wie beispielsweise aus Fußabdrücken abgelesen werden kann) sind unbehaart, das Gesicht soll sehr menschlich wirken, der Gang ist aufrecht.
Sein ganzes Wesen wird von Augenzeugen immer wieder als eine ganz ungewöhnliche Mischung von Mensch und Affe beschrieben, wobei die menschliche Seite so stark ins Gewicht fällt, wie bei keinem anderen bisher bekannten Affen, der möglicherweise für die betreffenden Sichtungen verantwortlich sein könnte.
Gerade diese Menschenähnlichkeit ist es, welche den Orang Pendek zu einem besonders faszinierenden Kryptiden macht. Allerdings ist auch er nicht vor Fälschungen sicher, daher möchte ich hier eine recht wahrscheinliche Art von Fälschung eines Orang Pendeks beschreiben:
Die Möglichkeit, einen lebenden Orang Pendek zu fälschen, ist äußerst gering, daher existieren hauptsächlich angeblich getötete Exemplare.
Hierzu kommen besonders zwei Typen von Kandidaten in Frage, zum einen Vertreter der Haubenlanguren, zum anderen Babys oder Jungtiere des Orang Utans (sobald sie ihr Jungtieralter überschritten haben, lassen die anatomischen Merkmale den Gebrauch zur Fälschung nicht mehr zu).
Haubenlanguren werden je nach Art etwa 40-80 Zentimeter groß, auf Sumatra (und daher hier interessant) ist nur der Silberne Haubenlangur (Trachypithecus cristatus) beheimatet.
Dieser trägt ein silbergrau-schwarz farbenes Fell, wie der Name schon sagt eine kleine Haube aus Haaren auf dem Kopf und einen mittellangen Schwanz. Seine Gliedmaßen sind nicht übermäßig lang, weshalb durch ihn, besonders bei den Babytieren, eine Fälschung leichter bewerkstelligt werden kann als mit anderen Arten
Hierzu wird, wofür sich besonders Jungtiere gut eignen, wie die Bilder auf der Seite wildsidephotography.ca
hervorragend zeigen, den Tieren nach ihrem Tod zuerst der Schwanz als auffälligstes Merkmal abgeschnitten.
Danach erfolgt eine Rasur bis auf die Haut, um die im Vergleich zu den Berichten ungewöhnliche Haarfarbe zu verschleiern und so eine Identifikation zu erschweren. Möglich wäre neben oder zusammen mit der Rasur ebenfalls eine Färbung des Fälles in einen Braunton, um den Berichten über den Orang Pendek nahe zukommen.
Die Haube auf dem Kopf wird entweder komplett abrasiert oder lediglich gekürzt und in ihrer natürlichen Form verändert.
Durch Veränderungen des Gesichtes wie präzises Brechen von Teilen der Gesichtsknochen, dem Einsetzen von Holzstückchen und dem Zurechtfeilen der Zähne (vor allem der spitzen Eckzähne) wird weiterhin durch die Fälscher versucht, dem Affen ein möglichst menschenähnliches Äußeres zu geben. Dabei muss man wissen, wie schon eingangs erwähnt, dass viele Zeugen, die angeblich einen Orang Pendek sahen, aussagten, sein Gesicht erinnere mehr an einen Menschen als an einen Affen.
Die passende Geschichte vom Typ tief im Wald gelang es uns, dieses Exemplar des ,,kleinen Menschen“ zu erlegen… rundet schließlich die Prozedur ab. Nebenbei bemerkt findet sich nur selten ein Fake pur, ohne irgend eine Erklärung.
Besonders die ärmeren Teile der einheimischen Bevölkerung lassen sich immer wieder einmal dazu verführen, zahlenden (Abenteuer-)Touristen oder interessierten und zahlungskräftigen Forschern angebliche Babys des Orang Pendek zu präsentieren. Allerdings lässt die aufwendige Prozedur darauf schließen, dass dieser Fake nicht besonders häufig angewandt wird.
Man kann davon ausgehen, dass die meisten dieser Fälle nicht an die Öffentlichkeit dringen, da die indonesische Regierung in Bezug auf ihre Tier- und Pflanzenwelt illegale Bejagung oder Schmuggel streng ahndet. Manche Quellen sehen den Orang Pendek in einer ähnlichen Situation wie derzeit den Beutelwolf von Australien.
Dieser gilt zwar derzeit als ausgestorben, steht jedoch gleichzeitig auch unter Naturschutz, weshalb der Beweis seiner Existenz durch ein getötetes Tier einer Straftat gleichkommt. Dementsprechend kann es auch als Straftat gelten, mit einem toten Pendek, ob nun echt oder falsch, angetroffen zu werden, was entsprechende Folgen wie Geldstrafe oder Gefängnis haben kann.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch gerne allen Leuten, welche sich für Kryptozoologie interessieren, raten: Seid sehr vorsichtig, wenn man euch beispielsweise auf einer Reise Exemplare von angeblichen Kryptiden zeigen oder zum Kauf anbieten möchte.
Neben den netten Menschen im Reiseland gibt es auch immer genug Betrüger, die genau wissen, was ihre potenziellen Opfer gerne wollen und versuchen, damit Geld zu verdienen. Selbst wenn die angebotenen Teile echt sind, kann euch deren Besitz in große Schwierigkeiten bringen.
Das Gleiche gilt natürlich auch in Bezug auf andere Objekte in den jeweiligen Ländern, kauft nichts, wenn ihr nicht absolut sicher davon überzeugt seid, dass alles in Ordnung ist.
Neben der Präparierung des Haubenlangurs besteht meiner Ansicht nach noch die Möglichkeit, ein Baby oder ein Jungtier des Orang Utans zu präparieren.
Tatsächlich könnte dies sogar noch wesentlich leichter zu bewerkstelligen und die Wirkung größer als beim Langur sein, da kleine Orang Utans mitunter stark an Menschenkinder erinnern können, wie die Bilder zeigen:
Die Vorgehensweise ist weitgehend gleich, dem kleinen Orang Utan werden die Haare kurz geschoren oder ganz abrasiert, mit kleinen Stäben werden menschlichere Gesichtsknochen simuliert, ein Schwanz muss in diesem Fall nicht entfernt werden.
Im Gegensatz zu den Silbernen Haubenlanguren können jedoch nur Tiere bis zu einem bestimmten Alter verwendet werden, da bei Erwachsenen und älteren Jungtieren die Unterschiede durch die Gliedmaßen zu sehr hervorstechen und nicht mehr durch Präparation zu beheben sind.
Vor allem die Fälschung eines Orang Pendeks mit Orang Utans ist illegal, da diese Tiere vollständig geschützt sind, sowohl national als auch international!
Es bleibt weiterhin ein Geheimnis, ob es den echten Orang Pendek tatsächlich gibt, wie er wirklich aussieht und wie er lebt, doch möglich ist seine Existenz auf jeden Fall, irgendwo im Dschungel Sumatras…
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