Fakes und Hoaxes

Fakes, Hoaxes und mehr…

Das Nessie-Foto des Dr. Wilson

Eingetragen am 25. Oktober 2007 von Gal Fàn

Um das Jahr 1934 herum (in manchen Quellen wird auch von 1935 bzw. 1933 geredet) veröffentlichte die Zeitung Daily Mail in einer ihrer Ausgaben ein im Vergleich zu anderen bekannten fotografischen Aufnahmen gut erkennbares Bild, auf welchem angeblich das legendäre Loch Ness Monster abgebildet war:

Laut Bericht stammte es von einem Doktor Robert Kenneth Wilson, einem Gynäkologen der renomierten Harley Street Clinic in London. Dieser war laut eigener Aussage am
19. April 1934 auf einer Straße um den Loch Ness im Auto unterwegs, als er ungewöhnliche Wasserbewegungen im See bemerkte. Kurz darauf erschien tatsächlich ein ihm unbekanntes Wasserwesen, welches exakt dem gängigen Bild des Loch Ness Monsters entsprach, langer Hals, kleinerer, als ,,dinosaurierartig” beschriebener Kopf, welche beide aus dem Wasser herausragten. Wilson griff augenblicklich nach seiner Kamera und schoss mehrere Bilder, bevor das Tier wieder verschwand.
Das beste Bild, welches hier zu sehen ist, fand sich einige Zeit später in der Daily Mail, samt dem zugehörigen Artikel über Wilsons Begegnung. Seit jener Zeit geistert dieses Bild immer wieder durch unterschiedliche Medien wie Fernsehen und Internet und galt über Jahrzehnte hinweg als DER Beweis für die Existenz des legendären Loch Ness Monsters, keinem Fachmann gelang es (trotz mehrfacher Prüfungen), das Bild als Fälschung zu entlarven.

Bis zum Jahre 1993. In diesem Jahr behauptete ein Herr Christian Spurling gegenüber dem Zoologen David Martin und dessen Kollegen Alistair Boyd, bevor er starb, dass er zusammen mit seinem Stiefvater Marmaduke Wetherell, dessen Sohn Ian Wetherell und Robert Kenneth Wilson das berühmte Bild gefälscht habe.
M.Wetherell, unter anderem ein selbsternannter Großwildjäger, war, wie die Aussagen von Spurling und die daraufhin angestellten Nachforschungen ergaben, von der Daily Mail engagiert worden, um das Phänomen Nessie zu untersuchen und im Idealfall das Loch Ness Monster auch zu finden. Wetherell jedoch hielt es für wesentlich leichter (vermutlich aufgrund von Misserfolgen bei seiner Suche), sich ein eigenes Wesen zu schaffen.
Dabei kam ihm zugute, dass sein Stiefsohn, Spurling, ein professioneller Modelbauer war. Auf seine Bitte hin bauten sie zusammen mit einem kleinen U-Boot aus dem Spielzeugladen nach dem Vorbild von Plesiosauriern (aus Büchern) eine kleine, schwimmfähige Atrappe von etwa 30cm Höhe und 45cm Länge. Mit dieser fuhren M.Wetherell und sein Sohn Ian zum Loch Ness und ließen die Atrappe auf dem U-Boot zu Wasser. Nun fehlte lediglich noch die richtige Entfernung und Kameraeinstellung, damit das kleine Modell auf dem Foto wie ein größeres aus der Ferne (zum Beispiel vom Seerand) aufgenommes Objekt wirkte.
Der Bildwinkel vermittelt deutlich den Eindruck, als sei das ,,Tier” schräg vom etwas erhöht liegenden Ufer aufgenommen worden und schwimme weiter draußen auf dem See.
Um dem ganzen Fake den letzten Schliff zu geben und Zweiflern die Munition zu nehmen gab nicht der offiziell beauftragte M.Wetherell das Foto an die Zeitung weiter, sondern sie zogen, als seriöse und glaubwürdige Person, Doktor Wilson hinzu, der schließlich bereit war, die Rolle des angeblichen Fotographen zu übernehmen.
Wie schon an früherer Stelle erwähnt verursachte das veröffentlichte Nessie-Foto enormes Aufsehen und verhalf dem Phänomen Nessie zu neuer Berühmtheit, nun wollten auch immer wieder Leute ähnliche Erfahrungen gemacht, sie allerdings aus Angst vor Spott aber nie publik gemacht haben (eine durchaus häufige Erscheinung). Ein Fake konnte nicht nachgewiesen werden, bis ein Mitglied (Spurling) der verantwortlichen Gruppe selbst den Schleier von der Geschichte zog.

Erst 1993/1994 konnte jenes Foto dadurch als Fälschung entlarvt werden. So einfach sie ist, so gut ist sie auch gemacht, muss man nach eingehender Beschäftigung sagen. Gerade die Einfachheit sorgte zu einem guten Teil dafür, dass ein Fake nicht nachzuweisen war.

Auf unnötige Seiteneffekte wurde verzichtet, das Foto ist klar genug, um recht deutlich scheinbar ein im Wasser schwimmendes Tier mit langem Hals und kleinerem Kopf im Stile eines Plesiosaurus zu erkennen. Dazu gibt es keine Bezugspunkte für die Größe, so dass ohne weiteres
ein großes Tier in der Ferne auf dem Wasser gesehen werden kann. Zudem können vor allem Laien Entfernungen auf dem Wasser leicht falsch einschätzen, was einen weiteren Vorteil des Bildes darstellt.
Meiner persönlichen Meinung nach erlangte das Foto auch deshalb eine so große Popularität, weil M.Wetherell und Co. genau die Vorstellungen der meisten Menschen über das Loch Ness Monster getroffen haben, sie haben den Leuten gegeben, was diese sich vorgestellt haben.
Selbst heute fallen immer noch viele Leute, ob Anfänger in der Kryptozoologie oder ganz normale Person, auf den recht gut gemachten Fake herein, weshalb er in der Fakelist Beachtung verdient.
Möglicherweise hätte die Geschichte auch schon einige Zeit früher, 1982 aufgeklärt werden können, da Wilson in einem Interview mit einem Wissenschaftler namens Maurice Burton, der damals 3 Berichte für das Magazin
New Scientist verfasste, gegenüber Burton erwähnte, dass er ,,gar kein Foto vom Loch Ness Monster gemacht hätte und eh nicht daran glaube”. Unter Umständen waren einige Personen durch diese Äußerung auch stutzig geworden in Bezug auf die Echtheit des Bildes, aber zur Aufklärung kam es im Verlauf der Artikel nicht, vermutlich weil Wilson keine weiteren Angaben machte und sich auch vorher niemand aus der Gruppe verplappert hatte.

Wenn auch gut gemacht, so bleibt das Foto Wilson`s ein Fake und es ist weiterhin ein Geheimnis, ob der Loch Ness tatsächlich ein unbekanntes, saurierähnliches Geschöpf oder gar mehrere beherbergt.

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