Fakes und Hoaxes

Fakes, Hoaxes und mehr…

Archive for the ‘See- und Meereswesen’ Category

Jenny Hanivers Video auf YouTube

Sonntag, Januar 20th, 2008

Moin moin (obwohl es abend ist),

da ich momentan nicht so viel Zeit habe, werde ich mir ausnahmsweise mal lange Beschreibungen des folgenden Beitrages sparen.

Auf verschiedenen Webseiten, unter anderem auf YouTube, existiert ein Video, welches angeblich eine kleine Meerjungfrau zeigen soll, je nach Quelle auch ein kleines Wasserungeheuer, Kobold und dergleichen.

Es handelt sich bei jenem Wesen schlicht und einfach um eine klassische Version der Jenny Hanivers. Für weitere Informationen empfehle ich den entsprechenden Artikel aus dem Blog.

Werde versuchen, das Video noch auf anderen Webseiten aufzuspüren, wahrscheinlich werden sich dabei noch weitere Fakes finden.

How To Make A Fake

Freitag, Januar 4th, 2008

Hallo und schönes neues Jahr!

In der heutigen Ausgabe geht es, wie der sich so schön reimende Titel schon sagt, um eine exemplarische Darstellung über die Entstehung von Fakes.

Da es sehr viele verschiedene Fakes gibt, unterscheiden sie sich vielfach ein wenig von einander, es geht hier also nur um ein Beispiel, wie ein Fake hergestellt werden könnte.

Für meine Demonstration habe ich das Thema Megalodon gewählt:

1. Natürlich muss man sich zuerst einmal im klaren sein, was und wie man faken möchte, zumindest wenn der Fake etwas Qualität besitzen soll. Gut geeignet sind Wesen, von denen keine eindeutigen, hundertprozentigen Darstellungen bezüglich des Aussehens existieren. Ich verweise hier etwa auf den Chupacabra, von dem es verschiedenste Darstellungen gibt.

Durch die Auswahl eines Wesens, dessen genaues Aussehen nicht bekannt ist, erschwert man es Kritikern, den Fake zu entlarven, da sie nämlich beweisen müssten, wie das Original tatsächlich aussieht.

In meinem Fall habe ich wie gesagt den Megalodon gewählt, den legendären (und übrigens einst nachweislich existenten) Riesenhai. Da von ihm keine Bilder existieren, die angeblichen Augenzeugenberichte und auch die Fossilien nur Anhaltspunkte über dessen Aussehen aber kein exaktes Bild bieten, ist man hier im Grunde nur dadurch eingeschränkt, einen großen Hai liefern zu müssen, der anders als die bekannten Tiere ausschaut.

2. Ein guter Fake erfordert Recherche, wenn er überzeugend sein soll. Man lässt einen Megalodon nicht an einem Ort auftreten, der Flachwasser hat oder an dem es keine Haie gibt, dies würde zu schnell auffallen. Als Herkunftsort für meinen Fake habe ich die Küsten von Australien bzw. die See zwischen Australien und Neuseeland gewählt, da es dort immer mal wieder Sichtungen über besonders große Haie gibt und außerdem viele Weiße Haie dort leben. Es ist also durchaus überzeugend, dass sich in einem dortigen, offenbar für große Raubfische gut geeigneten Gebiet ein sehr großer Raubfisch aufhält. Zusätzlich erhält man schon einen guten Einstieg für die Geschichte, die nicht fehlen sollte.

Man sollte allgemein möglichst viele Informationen über das Original sammeln, um seinen Fake überzeugend zu gestalten, denn es ist davon auszugehen, dass bei einer Überprüfung ein Vergleich mit dem Original gezogen wird. Gibt es zu viele Unstimmigkeiten, ist der Fake schnell entlarvt.

3. Hilfreich ist ebenfalls eine gute Geschichte, die die Echtheit des Fakes untermauern soll. Es wäre schlicht zu auffällig, in meinem Fall einfach zu sagen: Hier ist ein Bild eines Megalodon, es gibt ihn also doch!. Andernfalls könnte man den Fake auch wortlos lassen, verspielt dann aber eine gute Chance, ihn zu untermauern.

Beispiel:

Vor einigen Wochen (Zeit nicht unbedingt zu genau wählen, Überprüfung wird so erschwert) befand sich eine Forschungsgruppe (wissenschaftlicher Bezug = Seriösität) vor der Westküste Australiens in Richtung Neuseeland, um Beobachtungen der Population Weißer Haie durchzuführen (der Grund für die Anwesenheit). Dazu ließen sie einen festen Schutzkäfig von ihrem Schiff hinunter ins Wasser und vermischten das umgebende Wasser mit einem Lockmittel aus Blut und toten Fischen, ebenso lagen mehrere Stücke Rinderfleisch bereit (plausible Begründung für das spätere Auftauchen des Megalodon). Ein Taucher aus dem Forscherteam stieg daraufhin samt Kamera in den Käfig und wartete auf das Erscheinen der Haie.

Diese ließen nicht lange auf sich warten, schon bald umkreisten mehrere große Weiße Haie das Schiff und den Käfi. Hierbei gelangen sowohl dem Fotographen im Käfig als auch den Teammitgliedern auf dem Schiff gute Aufnahmen der Haie.

Was dann geschah, versetzte sie nicht nur in Erstaunen sondern sogar fast in Angst, obwohl alle Mitglieder der Forschungsgruppe (nicht zu präzise formulieren, erschwert Nachprüfung der angeblichen Forschungsgruppenmitglieder) schon mehrmals mit großen Weißen Haien im Wasser gewesen waren.

Der Taucher im Käfig sagte später aus (persönliche Unterstreichung): ,,Ich hatte die letzten Minuten einige schöne Aufnahmen der großen Weißen gemacht, die um das Schiff herum im Wasser waren. Einer hatte sogar den Käfig attackiert, so dass ich ihn aus nächster Nähe in Großaufnahme ablichten konnte. Als ich mich danach abwandte, um nach einem neuen Tier Ausschau zu halten, fiel mir auf, dass plötzlich keines der Tiere mehr zu sehen war. Sicher, die Strömung hatte den Blutcocktail ein wenig vom Schiff abgetrieben, aber es hing immerhin noch ein großer Brocken Rinderfleisch im Wasser und nach meiner Erfahrung lassen sich die Haie eine solch leichte Beute eigentlich nicht entgehen. Ich schaute mich im Wasser um, weil ich den Grund für das Verschwinden entdecken wollte, wobei mir in den Sinn kam, dass vielleicht ein besonders großer Weißer Hai aufgetaucht war, vor dem sich die anderen respektvoll zurückgezogen hatten. Dies ist kein ungewöhnliches Verhalten, die anderen Haie waren vielleicht maximal 4-5 Meter lang, es konnte durchaus ein größeres Tier aufgetaucht sein, da sie bis zu 7 Metern groß werden können.

Und dann sah ich, was mich glauben ließ, ich sei plötzlich in diesem Film, Der Weiße Hai oder so ähnlich. Ich sah auf einmal nur wenige Meter entfernt von mir ein riesiges Tier, dass in der Gestalt zwar einem Weißen Hai ähnelte, aber auf keinen Fall einer sein konnte. Denn dieser Fisch war mit Sicherheit gut 11-12 Meter lang, schätze ich. Kein Weißer Hai erreicht diese Größe. Zwar gibt es etwa den Walhai, der ungefähr ähnliche Größen erreicht, aber dem Tier fehlten die charakteristischen Merkmale des Walhais. Und als ich ihn von vorne sah, war mir klar, dass es ein Raubfisch sein musste.

Ich war fasziniert und verängstigt gleichermaßen. Der Käfig hielt zwar ohne weiteres die großen Weißen ab, aber diese wirkten fast klein gegenüber dem Hai, der nun um uns herum kreiste. Wenn dieser zubeisst, ist es aus mit mir, dachte ich. Glücklicherweise schien der Hai nicht besonders aggressiv zu sein, er umschwamm unser Schiff nur eine Weile. Schließlich schnappte er sich den Fleischbrocken mit einem einzigen, gewaltigen Biss von der Leine und glitt an meinem Käfig vorbei wieder in die Weite des Meeres, aus der er so plätzlich gekommen war. Dabei viel mir meine Kamera wieder ein, ich riss sie hoch und drückte ab, wobei mir zumindest ein gutes Bild gelang.

Als das Tier verschwunden war, machte ich, dass ich aus dem Käfig kam, von Haien hatte ich vorerst genug. Auch meine Kollegen an Bord hatten das riesige Tier gesehen und waren sich ebenfalls einig, dass es kein normaler Weißer Hai war. Auf dem Bild von mir konnten wir noch einmal die gewaltige Größe bestaunen. Außerdem fiel uns auf, dass es viele größere und kleinere Narben auf dessen Haut gab, die wohl von Kämpfen mit anderen Tieren stammen mussten. Keine Ahnung, ob wir nun eine neue Art gesehen haben oder doch nur einen ungewöhnlich großen Weißen Hai, was ich jedoch für unwahrscheinlich halte. Jedenfalls werde ich es mir demnächst zweimal überlegen, wieder in dem Gebiet zu tauchen.”

So in etwa könnte eine Entstehungsgeschichte lauten. Man sollte beachten, dass er möglichst wenig reisserisch klingt, sondern seriös. Eine Möglichkeit ist es zum Beispiel, auf die Wissenschaft Bezug zu nehmen. Es ist für eine gute Geschichte und einen guten Fake nötig, sich ein wenig in die Leser und Betrachter hineinzuversetzen, sich ihre Reaktionen zu überlegen und entsprechend zu begegnen (siehe Kommentare in der Geschichte).

4. Nun kommen wir zur Hauptsache, dem Fake selbst:

Je nachdem, was man Faken möchte, bieten sich verschiedene Möglichkeiten, vom kompletten dreidimensionalen Eigenbau ganzer oder Teilweiser Wesen über die Veränderung von realen Tieren bis hin zu bearbeiteten Fotos und Videos reicht die Palette, je nach Einfallsreichtum und Möglichkeiten. Beliebt sind, nebenbei bemerkt, besonders Veränderungen an realen Tieren, etwa an Farbe, Fell, Zähnen etc. sowie bearbeitete Bilder.

In meinem Beispielfall habe ich mich für die Bildbearbeitung entschieden:

megalodon.jpg

Aus dem Buch Ozeane Die Ganze Faszination Der Unterwasserwelt habe ich als erstes das folgende Bild eingescannt:

walhai.jpg

Es handelt sich, wie man unschwer erkennen kann, um einen Walhai. Dieser liefert schon einmal den Grundbau, denn aus der vorliegenden Perspektive lässt sich ohne die charakteristischen Merkmale, etwa die hellen Flecken, nur ein sehr großer Hai erkennen.

Mit Hilfe von Photoshop habe ich nun unter Benutzung des Smudge-Tools zuerst die Flecken ein wenig verzogen, dann die dunkle Farbe an deren Rändern mit der Farbpipette analysiert, die Flecken mit dem Magic Wand-Tool markiert und diese dann mit den passenden Farbe durch den Farbeimer aufgefüllt. Der Strichcode des Buches wurde auf ähnliche Weise verwischt.

Soweit so gut, allerdings gab es nun noch immer das Problem, dass man die Bearbeitung selbst mit bloßem Auge leicht ausmachen konnte. Also habe ich mit Hilfe der Add Noise-Funktion die Bearbeitung noch etwas verschleiern lassen.

Zusammen mit der Entstehungsgeschichte ist so ein Fake eines Megalodon entstanden.

Ich hoffe, ich konnte einen Einblick geben, wie beispielsweise ein Fake eines Kryptiden entsteht, nehmt es als Hilfe, um andere Fakes zu erkennen. Hierbei sei noch einmal darauf hingewiesen, dass es sehr viele verschiedene Fakewege gibt, ich habe nur einen aufgezeigt.

Gal Fàn

Alle Rechte an dem Bild des Walhais liegen bei ihrem gesetzlichen Urheber, es dient lediglich dem Demonstrationszweck und ist nicht für die weitere Verbreitung vorgesehen.

The Anthropophagous Catfish Of China

Samstag, Dezember 15th, 2007

For a short time, an e-mail is circulating around which pretend to show pictures about a giant catfish, caught in the Chinese reservoir Huadu Furong.

Supposedly a few humans died every year in this reservoir under mysterious circumstances.

Recently again 2 persons are said to be drunken in Huadu Furong while they were swimming and attacked by a 3 metres catfish.

 

On search for the death, the animal on the pictures was caught, allegedly with a head of one of the victims in his stomach.

normal_catfish2.jpg

 

normal_catfish31.jpg

 

normal_catfish1.jpg

 

normal_catfish42.jpg

 

 

Actually the ,,giant catfish” is a young whale shark, the pictures probably were shot at an Asian

fish market.

Especially the first and second picture allows a good sight. The paint of the skin is characteristic for whale sharks and the bright points on the skin too.

Also the animal has no barbels, which is a very significant identifying feature of catfishes.

No matter from which perspective you take a look, you can not see any assured identifying feature.

 

Even if a whale shark would live in a Chinese reservoir, which is totally absurd because whale sharks only living in the warm oceans of the earth and are simply to big (to make no mention of the required food) to exist in a reservoir, the whale shark would not have eaten or attacked any person.

They are exclusively herbivores and they have not the teeth or other possibilities to attack other animals or humans.

 

Have a look at these whale shark, by http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/18/Rhincodon_typus.jpg

 

rhincodon_typuswalhai.jpg

 

 

The Jenny Hanivers(Hanovers, Hannovers)

Montag, November 26th, 2007

The Jenny Hanivers was first recorded in the fourth book of the Historia Animalium, written by the Swiss Konrad Gesner, a language scientist, doctor and natural scientist of the 16th century.

 

It is interesting to know that Gesner himself never, in comparision to his contemporaries, saw the Hanivers as mythological creatures. He pointed out directly in his Historia Animalium that they were just dissected animals.

 

No matter this fact, the most people of his time, which were very superstitious, reputed the Hanivers

as a proof for the existence of little watermonster, devils, fairies, goblins and other mythological creatures. Especially the seamen often used specimens of the Hanivers to proove their stories about their adventures in far countries.

 

Among others they tried to proove the existence of the so-called Seabishop, not to muddle with the Seamonk.

The origin can be located in Antwerp, where the antwerpian seamen already in the last centuries sold and partly even today (today the Hanivers are usually made of wood) sell the Hanivers to fellows and tourists, together with the right story.

An indice of the origin is for example the name. Jenny Hanivers is probably an English alteration of Jeune de Anvers, which can be translated as Girl from Antwerp.

 

Probably the first specimens or stories were uttered by a woman or a girl from Antwerp.

This would explain the name, it is not sure, that really a seaman was the originator.

 

And now, a description of a typical Jenny Hanivers:

haniver1.jpg

 

 

The real Hanivers, which are rare today but not gone, are made usually from the Rajidae, the “real rays“ or the Rhinobatidae. The supposed eyes are in reality the nasal orifices, the normal mouths of the animals were cut to be similar to human ones.

 

To have a better understanding, why rays are used, have a look at these picture of Wikimedia Commons!

 

echter-rochen.JPG

 

The supposed legs of the Hanivers actually are either the dissected sexual organs or the tails of the rays.

 

A second version of Jenny Haniver is made of painted wood to have something more permanent and to avoid the disgusting dissection.

This classic fake circulate below different variations of the name Jenny Hanivers and independent to that too.

It is easy for newcomers in the cryptozoology to be taken of this fake because it is not as known as for example Nessie.

 

 

Der menschenfressende Riesenwels von China

Mittwoch, November 14th, 2007

Seit einiger Zeit erhalten wir immer wieder Anfragen zu einer E-Mail, welche einen angeblich 3 m großen Riesenwels zeigen soll, der im Wasserreservoir von Huadu Furong (China) gefangen wurde. Im Wasserreservoir sollen jedes Jahr ein paar Menschen auf mysteriöse Weise ertrunken sein. Vor kurzem sollen dort beim Schwimmen zwei Personen ertrunken sein, welche von einem gewaltigen Wels von 3 m Größe angefallen und gefressen wurden.

Bei der Suche wurde der auf den Bildern gezeigte Wels gefangen, in dessen Magen sich noch der Kopf eines der Opfer befunden haben soll.

Fazit
Die Geschichte geistert in diversen Abwandlungen durch das Internet und aktuell auch über die Mailverteiler in Form einer Art Kettenmail.

Das gezeigte Tier auf den Bildern ist dabei jedoch kein Wels, sondern eindeutig als Walhai (Rhyncodon typus) zu identifizieren. Der gezeigte Walhai ist allerdings noch ein Jungtier und die Photos sind vermutlich auf irgend einem asiatischen Fischmarkt enstanden.

Weiterhin sind Walhaie keine Menschenfresser, sondern ernähren sich in der Hauptsache von Plankton, welches Sie mit ihrem großen Maul aus dem Wasser filtern.

Die Geschichte selbst ist ein gewöhnlicher Hoax, welcher sich aktuell im Internet verbreitet.

Jenny Hanivers (J.Hanovers, J.Hanifers)

Donnerstag, Oktober 25th, 2007

Die erste schriftliche Erwähnung der Jenny Hanivers findet sich im vierten Band des naturwissenschaftlichen Werkes Historia Animalium des Schweizers Konrad Gesner, einem angesehenen Sprachforscher, Arzt und Naturwissenschaftler des 16. Jahrhunderts.

Interessanterweise sah Gesner im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen die Hanivers nicht als eine Fabelgestalt, sondern er wies selbst in seinem Werk darauf hin, dass es sich bei den Exemplaren um präparierte Tiere handelte.

Nichtsdestotrotz galten den meisten Leuten in der damaligen Zeit, welche noch sehr abergläubisch waren, obgleich in Europa zum großen Teil Christen, die Hanivers als Beweis für die Existenz von kleinen Wassermonstern, Teufelchen, Feen, Kobolden und anderen Fabelwesen, besonders die Seeleute zeigten immer wieder Exemplare vor, um ihre Reisegeschichten zu untermauern.

Unter anderem wollten sie die Existenz des so genannten Seebischofs untermauern, der übrigens nicht mit dem Seemönch verwechselt werden darf.
Der Ursprung der Jenny Hanivers kann in Antwerpen vermutet werden, wo die antwerpischen Seeleute schon in vergangenen Jahrhunderten und zum Teil auch heute noch (allerdings heute gewöhnlich aus Holz) Hanivers an Kollegen und Reisende verkauften, natürlich mit passender Geschichte. Auf die Herkunft weist in gewisser Weise schon der Name hin, es wird wegen der aus sprachlicher Sicht großen Ähnlichkeit vermutet, dass es sich bei ,,Jenny Hanivers“ um eine englische Veränderung von ,,Jeune de Anvers“ handelt. Übersetzt bedeutet dies etwa ,,Mädchen aus Antwerpen“.

Möglicherweise stammen die ersten Exemplare oder Geschichten von ihnen von einer Frau oder einem Mädchen aus Antwerpen, was den Namen erklären würde, denn es ist nicht gesagt, dass die männlichen Seefahrer unbedingt die Urheber sind.

Nun aber, nach der ganzen Vorgeschichte, endlich die Beschreibung einer typischen Jenny Hanivers:

Hergestellt werden die ,,echten Hanivers“, welche auch in heutiger Zeit noch nicht ganz verschwunden sind, in der Regel aus den Echten Rochen, den Rajidae und den Geigenrochen, den Rhinobatidae. Die vermeintlichen Augen sind in Wirklichkeit die Nasenlöcher der Rochen, der normale Mund der Tiere wurde ähnlich dem eines Menschen zurechtgeschnitten.

Warum gerade diese Rochen genommen wurden, zeigt dieses schöne Foto eines Vertreters der Echten Rochen aus dem Dateiarchiv Wikimedia Commons:

Die angeblichen Beine sind entweder die präparierten Geschlechtsorgane oder, je nach ,,Ausführung“, geteilte und präparierte Schwänze der Tiere. Als individuelle Merkmale findet man häufig noch unterschiedliche, mehr oder weniger verzierende Zuschnitte der Brust und der Flügel, dieses variiert jedoch unter den Exemplaren. Nebenbei bemerkt wurde durch eine entsprechende Anordnung der Flügel das angebliche Gewand des Seebischofs dargestellt, auf den aber an anderer Stelle eingegangen wird, dessen Kopfbedeckung ist eine Veränderung des Kopfes.

Eine zweite Version wurde und wird aus Holz geschnitzt und mit Farbe lackiert, vermutlich um etwas dauerhafteres anbieten zu können, vielleicht auch weil die Arbeit zum Teil recht eklig war/ist.
Dieser klassische Fake ist zwar nicht selten, er tritt in unterschiedlichen Namensvariationen auf (siehe Titel) sowie unabhängig in Verbindung mit völlig anderen Namen, doch im Vergleich zu anderen ist er wenig bekannt, weshalb oft Neuanfänger in der Kryptozoologie auf ihn hereinfallen (zum Vergleich: Suchanfrage Jenny Hanivers bei Google = ca.657 Ergebnisse, für Nessie mehr als 2 Millionen).

Das Nessie-Foto des Dr. Wilson

Donnerstag, Oktober 25th, 2007

Um das Jahr 1934 herum (in manchen Quellen wird auch von 1935 bzw. 1933 geredet) veröffentlichte die Zeitung Daily Mail in einer ihrer Ausgaben ein im Vergleich zu anderen bekannten fotografischen Aufnahmen gut erkennbares Bild, auf welchem angeblich das legendäre Loch Ness Monster abgebildet war:

Laut Bericht stammte es von einem Doktor Robert Kenneth Wilson, einem Gynäkologen der renomierten Harley Street Clinic in London. Dieser war laut eigener Aussage am
19. April 1934 auf einer Straße um den Loch Ness im Auto unterwegs, als er ungewöhnliche Wasserbewegungen im See bemerkte. Kurz darauf erschien tatsächlich ein ihm unbekanntes Wasserwesen, welches exakt dem gängigen Bild des Loch Ness Monsters entsprach, langer Hals, kleinerer, als ,,dinosaurierartig” beschriebener Kopf, welche beide aus dem Wasser herausragten. Wilson griff augenblicklich nach seiner Kamera und schoss mehrere Bilder, bevor das Tier wieder verschwand.
Das beste Bild, welches hier zu sehen ist, fand sich einige Zeit später in der Daily Mail, samt dem zugehörigen Artikel über Wilsons Begegnung. Seit jener Zeit geistert dieses Bild immer wieder durch unterschiedliche Medien wie Fernsehen und Internet und galt über Jahrzehnte hinweg als DER Beweis für die Existenz des legendären Loch Ness Monsters, keinem Fachmann gelang es (trotz mehrfacher Prüfungen), das Bild als Fälschung zu entlarven.

Bis zum Jahre 1993. In diesem Jahr behauptete ein Herr Christian Spurling gegenüber dem Zoologen David Martin und dessen Kollegen Alistair Boyd, bevor er starb, dass er zusammen mit seinem Stiefvater Marmaduke Wetherell, dessen Sohn Ian Wetherell und Robert Kenneth Wilson das berühmte Bild gefälscht habe.
M.Wetherell, unter anderem ein selbsternannter Großwildjäger, war, wie die Aussagen von Spurling und die daraufhin angestellten Nachforschungen ergaben, von der Daily Mail engagiert worden, um das Phänomen Nessie zu untersuchen und im Idealfall das Loch Ness Monster auch zu finden. Wetherell jedoch hielt es für wesentlich leichter (vermutlich aufgrund von Misserfolgen bei seiner Suche), sich ein eigenes Wesen zu schaffen.
Dabei kam ihm zugute, dass sein Stiefsohn, Spurling, ein professioneller Modelbauer war. Auf seine Bitte hin bauten sie zusammen mit einem kleinen U-Boot aus dem Spielzeugladen nach dem Vorbild von Plesiosauriern (aus Büchern) eine kleine, schwimmfähige Atrappe von etwa 30cm Höhe und 45cm Länge. Mit dieser fuhren M.Wetherell und sein Sohn Ian zum Loch Ness und ließen die Atrappe auf dem U-Boot zu Wasser. Nun fehlte lediglich noch die richtige Entfernung und Kameraeinstellung, damit das kleine Modell auf dem Foto wie ein größeres aus der Ferne (zum Beispiel vom Seerand) aufgenommes Objekt wirkte.
Der Bildwinkel vermittelt deutlich den Eindruck, als sei das ,,Tier” schräg vom etwas erhöht liegenden Ufer aufgenommen worden und schwimme weiter draußen auf dem See.
Um dem ganzen Fake den letzten Schliff zu geben und Zweiflern die Munition zu nehmen gab nicht der offiziell beauftragte M.Wetherell das Foto an die Zeitung weiter, sondern sie zogen, als seriöse und glaubwürdige Person, Doktor Wilson hinzu, der schließlich bereit war, die Rolle des angeblichen Fotographen zu übernehmen.
Wie schon an früherer Stelle erwähnt verursachte das veröffentlichte Nessie-Foto enormes Aufsehen und verhalf dem Phänomen Nessie zu neuer Berühmtheit, nun wollten auch immer wieder Leute ähnliche Erfahrungen gemacht, sie allerdings aus Angst vor Spott aber nie publik gemacht haben (eine durchaus häufige Erscheinung). Ein Fake konnte nicht nachgewiesen werden, bis ein Mitglied (Spurling) der verantwortlichen Gruppe selbst den Schleier von der Geschichte zog.

Erst 1993/1994 konnte jenes Foto dadurch als Fälschung entlarvt werden. So einfach sie ist, so gut ist sie auch gemacht, muss man nach eingehender Beschäftigung sagen. Gerade die Einfachheit sorgte zu einem guten Teil dafür, dass ein Fake nicht nachzuweisen war.

Auf unnötige Seiteneffekte wurde verzichtet, das Foto ist klar genug, um recht deutlich scheinbar ein im Wasser schwimmendes Tier mit langem Hals und kleinerem Kopf im Stile eines Plesiosaurus zu erkennen. Dazu gibt es keine Bezugspunkte für die Größe, so dass ohne weiteres
ein großes Tier in der Ferne auf dem Wasser gesehen werden kann. Zudem können vor allem Laien Entfernungen auf dem Wasser leicht falsch einschätzen, was einen weiteren Vorteil des Bildes darstellt.
Meiner persönlichen Meinung nach erlangte das Foto auch deshalb eine so große Popularität, weil M.Wetherell und Co. genau die Vorstellungen der meisten Menschen über das Loch Ness Monster getroffen haben, sie haben den Leuten gegeben, was diese sich vorgestellt haben.
Selbst heute fallen immer noch viele Leute, ob Anfänger in der Kryptozoologie oder ganz normale Person, auf den recht gut gemachten Fake herein, weshalb er in der Fakelist Beachtung verdient.
Möglicherweise hätte die Geschichte auch schon einige Zeit früher, 1982 aufgeklärt werden können, da Wilson in einem Interview mit einem Wissenschaftler namens Maurice Burton, der damals 3 Berichte für das Magazin
New Scientist verfasste, gegenüber Burton erwähnte, dass er ,,gar kein Foto vom Loch Ness Monster gemacht hätte und eh nicht daran glaube”. Unter Umständen waren einige Personen durch diese Äußerung auch stutzig geworden in Bezug auf die Echtheit des Bildes, aber zur Aufklärung kam es im Verlauf der Artikel nicht, vermutlich weil Wilson keine weiteren Angaben machte und sich auch vorher niemand aus der Gruppe verplappert hatte.

Wenn auch gut gemacht, so bleibt das Foto Wilson`s ein Fake und es ist weiterhin ein Geheimnis, ob der Loch Ness tatsächlich ein unbekanntes, saurierähnliches Geschöpf oder gar mehrere beherbergt.