Hallo und schönes neues Jahr!
In der heutigen Ausgabe geht es, wie der sich so schön reimende Titel schon sagt, um eine exemplarische Darstellung über die Entstehung von Fakes.
Da es sehr viele verschiedene Fakes gibt, unterscheiden sie sich vielfach ein wenig von einander, es geht hier also nur um ein Beispiel, wie ein Fake hergestellt werden könnte.
Für meine Demonstration habe ich das Thema Megalodon gewählt:
1. Natürlich muss man sich zuerst einmal im klaren sein, was und wie man faken möchte, zumindest wenn der Fake etwas Qualität besitzen soll. Gut geeignet sind Wesen, von denen keine eindeutigen, hundertprozentigen Darstellungen bezüglich des Aussehens existieren. Ich verweise hier etwa auf den Chupacabra, von dem es verschiedenste Darstellungen gibt.
Durch die Auswahl eines Wesens, dessen genaues Aussehen nicht bekannt ist, erschwert man es Kritikern, den Fake zu entlarven, da sie nämlich beweisen müssten, wie das Original tatsächlich aussieht.
In meinem Fall habe ich wie gesagt den Megalodon gewählt, den legendären (und übrigens einst nachweislich existenten) Riesenhai. Da von ihm keine Bilder existieren, die angeblichen Augenzeugenberichte und auch die Fossilien nur Anhaltspunkte über dessen Aussehen aber kein exaktes Bild bieten, ist man hier im Grunde nur dadurch eingeschränkt, einen großen Hai liefern zu müssen, der anders als die bekannten Tiere ausschaut.
2. Ein guter Fake erfordert Recherche, wenn er überzeugend sein soll. Man lässt einen Megalodon nicht an einem Ort auftreten, der Flachwasser hat oder an dem es keine Haie gibt, dies würde zu schnell auffallen. Als Herkunftsort für meinen Fake habe ich die Küsten von Australien bzw. die See zwischen Australien und Neuseeland gewählt, da es dort immer mal wieder Sichtungen über besonders große Haie gibt und außerdem viele Weiße Haie dort leben. Es ist also durchaus überzeugend, dass sich in einem dortigen, offenbar für große Raubfische gut geeigneten Gebiet ein sehr großer Raubfisch aufhält. Zusätzlich erhält man schon einen guten Einstieg für die Geschichte, die nicht fehlen sollte.
Man sollte allgemein möglichst viele Informationen über das Original sammeln, um seinen Fake überzeugend zu gestalten, denn es ist davon auszugehen, dass bei einer Überprüfung ein Vergleich mit dem Original gezogen wird. Gibt es zu viele Unstimmigkeiten, ist der Fake schnell entlarvt.
3. Hilfreich ist ebenfalls eine gute Geschichte, die die Echtheit des Fakes untermauern soll. Es wäre schlicht zu auffällig, in meinem Fall einfach zu sagen: Hier ist ein Bild eines Megalodon, es gibt ihn also doch!. Andernfalls könnte man den Fake auch wortlos lassen, verspielt dann aber eine gute Chance, ihn zu untermauern.
Beispiel:
Vor einigen Wochen (Zeit nicht unbedingt zu genau wählen, Überprüfung wird so erschwert) befand sich eine Forschungsgruppe (wissenschaftlicher Bezug = Seriösität) vor der Westküste Australiens in Richtung Neuseeland, um Beobachtungen der Population Weißer Haie durchzuführen (der Grund für die Anwesenheit). Dazu ließen sie einen festen Schutzkäfig von ihrem Schiff hinunter ins Wasser und vermischten das umgebende Wasser mit einem Lockmittel aus Blut und toten Fischen, ebenso lagen mehrere Stücke Rinderfleisch bereit (plausible Begründung für das spätere Auftauchen des Megalodon). Ein Taucher aus dem Forscherteam stieg daraufhin samt Kamera in den Käfig und wartete auf das Erscheinen der Haie.
Diese ließen nicht lange auf sich warten, schon bald umkreisten mehrere große Weiße Haie das Schiff und den Käfi. Hierbei gelangen sowohl dem Fotographen im Käfig als auch den Teammitgliedern auf dem Schiff gute Aufnahmen der Haie.
Was dann geschah, versetzte sie nicht nur in Erstaunen sondern sogar fast in Angst, obwohl alle Mitglieder der Forschungsgruppe (nicht zu präzise formulieren, erschwert Nachprüfung der angeblichen Forschungsgruppenmitglieder) schon mehrmals mit großen Weißen Haien im Wasser gewesen waren.
Der Taucher im Käfig sagte später aus (persönliche Unterstreichung): ,,Ich hatte die letzten Minuten einige schöne Aufnahmen der großen Weißen gemacht, die um das Schiff herum im Wasser waren. Einer hatte sogar den Käfig attackiert, so dass ich ihn aus nächster Nähe in Großaufnahme ablichten konnte. Als ich mich danach abwandte, um nach einem neuen Tier Ausschau zu halten, fiel mir auf, dass plötzlich keines der Tiere mehr zu sehen war. Sicher, die Strömung hatte den Blutcocktail ein wenig vom Schiff abgetrieben, aber es hing immerhin noch ein großer Brocken Rinderfleisch im Wasser und nach meiner Erfahrung lassen sich die Haie eine solch leichte Beute eigentlich nicht entgehen. Ich schaute mich im Wasser um, weil ich den Grund für das Verschwinden entdecken wollte, wobei mir in den Sinn kam, dass vielleicht ein besonders großer Weißer Hai aufgetaucht war, vor dem sich die anderen respektvoll zurückgezogen hatten. Dies ist kein ungewöhnliches Verhalten, die anderen Haie waren vielleicht maximal 4-5 Meter lang, es konnte durchaus ein größeres Tier aufgetaucht sein, da sie bis zu 7 Metern groß werden können.
Und dann sah ich, was mich glauben ließ, ich sei plötzlich in diesem Film, Der Weiße Hai oder so ähnlich. Ich sah auf einmal nur wenige Meter entfernt von mir ein riesiges Tier, dass in der Gestalt zwar einem Weißen Hai ähnelte, aber auf keinen Fall einer sein konnte. Denn dieser Fisch war mit Sicherheit gut 11-12 Meter lang, schätze ich. Kein Weißer Hai erreicht diese Größe. Zwar gibt es etwa den Walhai, der ungefähr ähnliche Größen erreicht, aber dem Tier fehlten die charakteristischen Merkmale des Walhais. Und als ich ihn von vorne sah, war mir klar, dass es ein Raubfisch sein musste.
Ich war fasziniert und verängstigt gleichermaßen. Der Käfig hielt zwar ohne weiteres die großen Weißen ab, aber diese wirkten fast klein gegenüber dem Hai, der nun um uns herum kreiste. Wenn dieser zubeisst, ist es aus mit mir, dachte ich. Glücklicherweise schien der Hai nicht besonders aggressiv zu sein, er umschwamm unser Schiff nur eine Weile. Schließlich schnappte er sich den Fleischbrocken mit einem einzigen, gewaltigen Biss von der Leine und glitt an meinem Käfig vorbei wieder in die Weite des Meeres, aus der er so plätzlich gekommen war. Dabei viel mir meine Kamera wieder ein, ich riss sie hoch und drückte ab, wobei mir zumindest ein gutes Bild gelang.
Als das Tier verschwunden war, machte ich, dass ich aus dem Käfig kam, von Haien hatte ich vorerst genug. Auch meine Kollegen an Bord hatten das riesige Tier gesehen und waren sich ebenfalls einig, dass es kein normaler Weißer Hai war. Auf dem Bild von mir konnten wir noch einmal die gewaltige Größe bestaunen. Außerdem fiel uns auf, dass es viele größere und kleinere Narben auf dessen Haut gab, die wohl von Kämpfen mit anderen Tieren stammen mussten. Keine Ahnung, ob wir nun eine neue Art gesehen haben oder doch nur einen ungewöhnlich großen Weißen Hai, was ich jedoch für unwahrscheinlich halte. Jedenfalls werde ich es mir demnächst zweimal überlegen, wieder in dem Gebiet zu tauchen.”
So in etwa könnte eine Entstehungsgeschichte lauten. Man sollte beachten, dass er möglichst wenig reisserisch klingt, sondern seriös. Eine Möglichkeit ist es zum Beispiel, auf die Wissenschaft Bezug zu nehmen. Es ist für eine gute Geschichte und einen guten Fake nötig, sich ein wenig in die Leser und Betrachter hineinzuversetzen, sich ihre Reaktionen zu überlegen und entsprechend zu begegnen (siehe Kommentare in der Geschichte).
4. Nun kommen wir zur Hauptsache, dem Fake selbst:
Je nachdem, was man Faken möchte, bieten sich verschiedene Möglichkeiten, vom kompletten dreidimensionalen Eigenbau ganzer oder Teilweiser Wesen über die Veränderung von realen Tieren bis hin zu bearbeiteten Fotos und Videos reicht die Palette, je nach Einfallsreichtum und Möglichkeiten. Beliebt sind, nebenbei bemerkt, besonders Veränderungen an realen Tieren, etwa an Farbe, Fell, Zähnen etc. sowie bearbeitete Bilder.
In meinem Beispielfall habe ich mich für die Bildbearbeitung entschieden:
megalodon.jpg
Aus dem Buch Ozeane Die Ganze Faszination Der Unterwasserwelt habe ich als erstes das folgende Bild eingescannt:
walhai.jpg
Es handelt sich, wie man unschwer erkennen kann, um einen Walhai. Dieser liefert schon einmal den Grundbau, denn aus der vorliegenden Perspektive lässt sich ohne die charakteristischen Merkmale, etwa die hellen Flecken, nur ein sehr großer Hai erkennen.
Mit Hilfe von Photoshop habe ich nun unter Benutzung des Smudge-Tools zuerst die Flecken ein wenig verzogen, dann die dunkle Farbe an deren Rändern mit der Farbpipette analysiert, die Flecken mit dem Magic Wand-Tool markiert und diese dann mit den passenden Farbe durch den Farbeimer aufgefüllt. Der Strichcode des Buches wurde auf ähnliche Weise verwischt.
Soweit so gut, allerdings gab es nun noch immer das Problem, dass man die Bearbeitung selbst mit bloßem Auge leicht ausmachen konnte. Also habe ich mit Hilfe der Add Noise-Funktion die Bearbeitung noch etwas verschleiern lassen.
Zusammen mit der Entstehungsgeschichte ist so ein Fake eines Megalodon entstanden.
Ich hoffe, ich konnte einen Einblick geben, wie beispielsweise ein Fake eines Kryptiden entsteht, nehmt es als Hilfe, um andere Fakes zu erkennen. Hierbei sei noch einmal darauf hingewiesen, dass es sehr viele verschiedene Fakewege gibt, ich habe nur einen aufgezeigt.
Gal Fàn
Alle Rechte an dem Bild des Walhais liegen bei ihrem gesetzlichen Urheber, es dient lediglich dem Demonstrationszweck und ist nicht für die weitere Verbreitung vorgesehen.